Die beiden ersten Satelliten des von der Europaeischen Union finanzierten Satelliten-Navigationssystems Galileo ··) sollen am 20.10.2011 um 12.34 Uhr MESZ ihre Reise ins Weltall antreten. Mit zwei weiteren im Fruehjahr 2012 zu startenden Satelliten bilden sie die Konstellation zur In-Orbit Validierung des Galileo-Systems. Das Muenchner High-Tech-Unternehmen Kayser-Threde, ein Unternehmen der OHB AG, war waehrend der mehrjaehrigen Entwicklungsphase bei allen vier Satelliten fuer Design, Fertigung und Integration des Harness-Subsystems verantwortlich.
Der "Harness" ist die elektrische Verkabelung zur Verteilung von Strom und Signalen zwischen verschiedenen Geraeten der Navigations-Nutzlase (Payload) und der Satelliten-Plattform sowie der Batterie. "Fuer jeden Satelliten haben wir mit 542 Steckern und fast 4 km verbautem Kabel ueber 7.000 elektrische Verbindungen geschaffen.", erinnert sich der damalige Projektleiter Dr. Christoph Bartscher. Die Arbeiten wurden im Unterauftrag zu Astrium GmbH durchgefuehrt.
Im Rahmen von Galileo ist Kayser-Threde aber auch fuer Systeme der Bodeninfrastruktur verantwortlich:
Von der europaeischen Raumfahrtagentur ESA wurde das Systemhaus mit der Precise Timing Facility (PTF) fuer das Raumfahrtkontrollzentrum am DLR-Standort Oberpfaffenhofen bei Muenchen beauftragt. Die PTF liefert zusammen mit einer weiteren, aus Redundanzgruenden parallel entwickelten PTF, die Systemzeit, die man als "Herzschlag" von Galileo bezeichnen kann. Nur wenn die Laufzeit der von den Satelliten abgestrahlten und von den Navigationsempfaengern am Boden empfangenen Signalen exakt bestimmt werden kann, ist es moeglich, daraus eine genaue Position zu berechnen. Hierzu muessen die Uhren der Galileo-Satelliten sehr genau auf die Galileo-Systemzeit synchronisiert sein. Entsprechend hoch waren die Anforderungen an die PTF: "Der tolerierte Zeitfehler der PTF liegt bei 300 Pikosekunden pro Tag. Es wuerde also rund 10 Millionen Jahre dauern, bis die PTF um eine Sekunde falsch geht.", so Dr. Stefan Bedrich, der die PTF konzipierte.
Auch fuer GATE ··), die deutsche Galileo Test- und Entwicklungsumgebung, die im Berchtesgadener Raum geschaffen wurde, leistete Kayser-Threde wichtige Beitraege. Das Unternehmen entwickelte unter anderem Sende-Antennen und war fuer die Integration der als "virtuelle Satelliten" bezeichneten Navigations-Sendestationen (Galileo-Transmitter) zustaendig. Mit seinen auf den umliegenden Berggipfeln installierten Transmittern kann GATE bereits seit mehr als 3 Jahren nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen und der Industrie eine realistische Testmoeglichkeit fuer die Erprobung von Technologien, Anwendungen (einschliesslich unmodifizierter kommerzieller Galileo-Empfaenger) bieten.
Das Schwesterunternehmen der Kayser-Threde GmbH, die OHB System AG, traegt massgeblich zum Aufbau von Galileo bei: Mit Surrey Satellite Technology Ltd. (SSTL) bilden die Bremer das Konsortium, das Anfang 2010 fuer Entwicklung und Bau der naechsten 14 Galileo FOC (Full Operational Capability)-Satelliten ausgewaehlt wurde.
·) Galileo ist eine Schutzmarke der Europaeischen Kommission: Das Raumfahrtprogramm Galileo ist eine gemeinsame Initiative der Europaeischen Kommission und der Europaeischen Raumfahrtagentur.
··) GATE wurde im Auftrag der Bundesregierung durch das Raumfahrtunternehmen des Deutschen Zentrums fuer Luft- und Raumfahrt (DLR) finanziert.
Ueber Kayser-Threde GmbH
Kayser-Threde ist ein fuehrendes Systemhaus, das sich auf Entwicklung und Implementierung von High-Tech Loesungen fuer Raumfahrt, Wissenschaft und Industrie spezialisiert hat. Die umfangreiche Angebotspalette beinhaltet Systemloesungen fuer bemannte und unbemannte Raumfahrtmissionen, optische Systeme und Prozessleittechnik.
Neben dem Technologieerprobungstraeger TET-1 realisiert das Unternehmen derzeit einen weiteren nationalen Satelliten: EnMAP wird als optischer Hyperspektralsatellit der weiteren Erforschung unserer Umwelt dienen. Kayser-Threde ist ein Unternehmen der im Prime Standard notierten OHB
AG, Bremen.